Rilke

Rainer Maria Rilke en Clara Westhoff, 1901

Beschouwingen n.a.v. enkele Rilke citaten uit het artikel ” The Difficult Art of Giving Space in Love: Rilke on Freedom, Togetherness, and the Secret to a Good Marriage” (Brainpickings, Maria Popova, 03/09/2018).

De aangehaalde citaten van Rilke komen, zoals in het artikel vermeld, uit โ€œRilke on Love and Other Difficulties: Translations and Considerations”, John J.L. Mood, 1994) en willen verduidelijken dat in iedere hechte relatie zowel de behoefte aan samenzijn als die van autonomie aanwezig zijn. “Rilke offered some spectacular advice on managing the bipolar pull of autonomy and togetherness in a way that assures the longevity of any close bond and protects love from self-destruction”, aldus Popova.
In tegenstelling tot wat gesuggereerd wordt komen de fragmenten niet uit รฉรฉn, maar uit verschillende brieven aan telkens andere correspondenten (o.a. aan de 10-jarige Friedrich Westhoff), en ze worden in het artikel van Popova niet chronologisch weergegeven. Hieronder de betreffende brieven in hun volledige oorspronkelijke Duitse versie, met korte context situering. In cursief de fragmenten die in het artikel vermeld worden. Popova’s volgorde wordt behouden. Deze brieven werden door Rilke geschreven in de periode 1901-1904, hij was toen 26-29 jaar oud (zie foto hierboven met echtgenote).

Ik vind het soms interessant om citaten, zeker uit brieven, tegen het licht van de biografische achtergrond te houden en ze terug te plaatsen in hun oorspronkelijke context. Zo ontstaan vaak verrassende inzichten. Wat naar de voorgrond getrokken wordt verhindert wel eens die achtergrond te zien.


Brief 1: ย Rilke aan de expressionistische schilderes Paula Modersohn-Becker, gedateerd 12/02/1902. Zij was zeer goed bevriend met Clara Westhoff, ook beeldhouwster en later schilderes en de echtgenote van Rilke met wie hij in 1901 getrouwd was. Twee maanden voor deze brief werd Rilkes dochter geboren. Het echtpaar zou slechts kort echt samenwonen, maar scheidde nooit en bleef een vriendschapsband behouden. Enkele maanden na deze brief vertrok Rilke naar Parijs om er een monografie over Rodin te schrijven. Het is dus niet verwonderlijk dat aan het thema van de eenzaamheid, ook in relaties, zoveel beschouwingen worden gewijd.
Paula-Modersohn-Becker overleed op 31-jarige leeftijd op 20 november 1908, enkele weken na de geboorte van haar enige kind, een dochter. Twee jaar daarvoor was ze teruggekomen op haar beslissing om te scheiden.

An Paula Becker-Modersohn

Bremen, am 12. Febr. 1902 Liebe Frau Modersohn, erlauben Sie, daรŸ ich einige Worte zu Ihrem Brief an meine liebe Frau sage: er geht mich ja sehr an, wie Sie wissen, und wenn ich nicht in Bremen wรคre, wรผrde ich Gelegenheit suchen, mit Ihnen selbst รผber die Sache zu sprechen, – die … ja, รผber welche Sache? Wollen Sie mir glauben, daรŸ es mir schwer fรคllt, zu verstehen, wovon Sie eigentlich reden? Es ist doch nichts geschehen – oder vielmehr: es ist viel Gutes geschehen, und das MiรŸverstรคndnis beruht darin, daรŸ Sie, was geschehen ist, nicht gelten lassen wollen. Alles soll sein, wie es war, und doch ist alles anders, als es gewesen ist. Wenn Ihre Liebe zu Clara Westhoff jetzt etwas tun will, dann ist ihre Arbeit und Aufgabe diese: nachzuholen, was sie versรคumt hat. Denn sie hat versรคumt zu sehen, wohin dieser Mensch gegangen ist, sie hat versรคumt, ihn zu begleiten auf seiner weitesten Entwicklung, sie hat versรคumt, sich auszubreiten รผber die neuen Weiten, die dieser Mensch umfaรŸt, und sie hat nicht aufgehรถrt, ihn dort zu suchen, wo er an einem gewissen Punkte seines Wachstums war, sie will mit Hartnรคckigkeit eine bestimmte Schรถnheit festhalten, die er รผberschritten hat, statt, im Vertrauen auf kรผnftige neue gemeinsame Schรถnheiten, auszuharren.
Das Vertrauen, welches Sie mir, liebe Freundin, erwiesen haben, als Sie mir einen kleinen Einblick in Ihre Tagebuchblรคtter gewรคhrten, berechtigt mich (wie ich glaube), Sie zu erinnern, wie fremd und fern und unvergleichlich Ihnen anfangs Clara Westhoffs Wesen schien, wie umgeben von einer Einsamkeit, deren Tรผren Sie nicht kannten … Und diesen ersten wichtigen Eindruck haben Sie so sehr vergessen kรถnnen, daรŸ Sie es nur mit Tadel und Warnung begleiten, wenn dieser Mensch, den Sie um seiner Andersheit und Einsamkeit willen zu lieben begannen, in eine neue Einsamkeit eintritt, deren Grรผnde Sie sogar besser รผberschauen kรถnnen als die Grรผnde jener ersten Abgeschlossenheit, die Sie doch nicht mit Vorwรผrfen, sondern mit einer gewissen bewundernden Gewรคhrung betrachtet haben. Wenn Ihre Liebe wachsam geblieben ist, dann hat sie sehen mรผssen, daรŸ die Erlebnisse, welche zu Clara Westhoff kamen, eben dadurch ihren Wert erhielten, daรŸ sie mit dem Innern des Hauses, in welchem die Zukunft uns finden soll, sich eng und unlรถsbar verbanden: wir muรŸten alles Holz auf unserm eigenen Herd verbrennen, um unser Haus erstmal auszuwรคrmen und wohnlich zu machen. MuรŸ ich es Ihnen erst sagen, daรŸ wir Sorgen hatten, schwere und bange Sorgen, die ebenso nicht hinausgetragen werden durften wie die wenigen Stunden tiefen Glรผcks? … Wundert es Sie, daรŸ die Schwerpunkte sich verschoben haben, und ist Ihre Liebe und Freundschaft so miรŸtrauisch, daรŸ sie immerfort sehen und greifen will, was sie besitzt? Sie mรผssen fortwรคhrend Enttรคuschungen erfahren, wenn Sie erwarten, das alte Verhรคltnis zu finden, aber warum freuen Sie sich nicht auf das neue, das beginnen wird, wenn Clara Westhoffs neue Einsamkeit einmal die Tore auftut, um Sie zu empfangen?
Auch ich stehe still und voll tiefen Vertrauens vor den Toren dieser Einsamkeit,

weil ich fรผr die hรถchste Aufgabe einer Verbindung zweier Menschen diese halte: daรŸ einer dem andern seine Einsamkeit bewache. Denn wenn das Wesen der Gleichgรผltigkeit und der Menge darin besteht, keine Einsamkeit anzuerkennen, so ist Liebe und Freundschaft dazu da, fortwรคhrend Gelegenheit zur Einsamkeit zu geben. Und nur das sind die wirklichen Gemeinsamkeiten, die rhythmisch tiefe Vereinsamungen unterbrechen…

Denken Sie daran, als Sie Clara Westhoff kennen lernten: da wartete Ihre Liebe geduldig auf ein aufgehendes Tor, dieselbe Liebe, die jetzt ungeduldig an die Wรคnde pocht, hinter denen die Dinge sich vollziehen, die wir nicht kennen, die ich ebensowenig kenne wie Sie, – nur daรŸ ich das Vertrauen habe, daรŸ sie mich tief und verwandt berรผhren werden, wenn sie sich mir einmal offenbaren. Und kann Ihre Liebe kein รคhnliches Vertrauen fassen? Aus diesem Vertrauen allein werden ihr Freuden kommen, von denen sie leben wird, ohne zu hungern. –
Ihr: Rainer Maria Rilke.


Brief 2: 17/08.1901. Rilke aan de schrijver en dichter Emanuel von Bodman. Bodman had blijkbaar huwelijksproblemen, het jaar daarna (1902) zou hij scheiden van zijn eerste vrouw. Zijn tweede huwelijk (waarin een dochter geboren werd die echter in hetzelfde jaar stierf) mondde eveneens uit in een scheiding (1909). In 1914 volgde een derde huwelijk dat duurde tot zijn overlijden in 1946.

An Emanuel von Bodman

Westerwede bei Bremen, am 17. August 1901/ Mein lieber Bodman, ich danke Ihnen fรผr Ihren Brief und die Verse, diese Zeichen lieben und aufrichtigen Vertrauens. Ich weiรŸ es wohl zu schรคtzen, dass Sie mir aus so ernsten Tagen schreiben konnten, und Sie werden es nicht aufdringlich empfinden, wenn ich daraus das Rechte ableite, Ihnen etwas von meiner Meinung รผber derartige Kรคmpfe zu vermitteln.
In einem solchen Fall heiรŸt es [nach meiner persรถnlichen Meinung], sich auf sich selbst zurรผckziehen und weder zu dem einen noch zu dem anderen Wesen hinzustreben, das Leiden, welches beide verursachen, nicht auf die Ursache des Leidens [die so weit auรŸerhalb liegt] beziehen, sondern fรผr sich selbst fruchtbar machen. Wenn Sie die Vorgรคnge Ihres Gefรผhls in die Einsamkeit รผbertragen und Ihr schwankendes und zitterndes Empfinden nicht in die gefรคhrliche Nรคhe von Magnetkrรคften bringen, so wird es mit der ihm eigenen Beweglichkeit von selbst diejenige Lage einnehmen, welche ihm die natรผrliche und notwendige ist. โ€“ Es tut in jedem Falle gut, sich sehr oft zu erinnern, dass es รผber allem Seienden Gesetze gibt, die niemals zu wirken versรคumen, die vielmehr herbeistรผrzen, um an jedem Stein und an jeder Feder, die wir fallen lassen, sich zu bewรคhren und zu versuchen.

Alles Irren besteht also nur im Nichterkennen der GesetzmรครŸigkeit, unter welcher wir im gegebenen Fall stehen, und alle Lรถsung beginnt mit unserer Aufmerksamkeit und Sammlung, die uns leise in die Kette der Ereignisse einreiht und unserm Willen seine wiegenden Gleichgewichte wiedergibt.

Im รœbrigen bin ich der Meinung, dass die โ€žEheโ€œ als solche nicht so viel Betonung verdient, als ihr durch die konventionelle Entwicklung ihres Wesens zugewachsen ist. Es fรคllt niemandem ein, von einem Einzelnen zu verlangen, dass er โ€žglรผcklichโ€œ sei, โ€“ heiratet aber einer, so ist man sehr erstaunt, wenn er es nicht ist! [Und dabei ist es wirklich gar nicht wichtig, glรผcklich zu sein, weder als Einzelner noch Verheirateter.] Die Ehe ist in manchen Punkten eine Vereinfachung der Lebensumstรคnde, und der Zusammenschluss summiert natรผrlich die Krรคfte und Willen zweier junger Menschen, so dass sie geeint weiter in die Zukunft zu reichen scheinen als vorher. โ€“ Allein, das sind Sensationen, von denen sich nicht leben lรคsst. Vor allem ist die Ehe eine neue Aufgabe und ein neuer Ernst, โ€“ eine neue Anforderung und Frage an die Kraft und Gรผte eines jeden Beteiligten und eine neue groรŸe Gefahr fรผr beide.
Es handelt sich in der Ehe fรผr mein Gefรผhl nicht darum, durch NiederreiรŸung und Umstรผrzung aller Grenzen eine rasche Gemeinsamkeit zu schaffen, vielmehr ist die gute Ehe die, in welcher jeder den anderen zum Wรคchter seiner Einsamkeit bestellt und ihm dieses grรถรŸte Vertrauen beweist, das er zu verleihen hat. Ein Miteinander zweier Menschen ist eine Unmรถglichkeit und, wo es doch vorhanden scheint, eine Beschrรคnkung, eine gegenseitige รœbereinkunft, welchen einen Teil oder beide Teile ihrer vollsten Freiheit und Entwicklung beraubt.

Aber, das Bewusstsein vorausgesetzt, dass auch zwischen den nรคchsten Menschen unendliche Fernen bestehen bleiben, kann ihnen ein wundervolles Nebeneinanderwohnen erwachsen, wenn es ihnen gelingt, die Weite zwischen sich zu lieben, die ihnen die Mรถglichkeit gibt, einander immer in ganzer Gestalt und vor einem groรŸen Himmel zu sehen.

Deshalb muรŸ also auch dieses als MaรŸstab gelten bei Verwerfung oder Wahl: ob man an der Einsamkeit eines Menschen Wache halten mag, und ob man geneigt ist, diesen selben Menschen an die Tore der eigenen Tiefe zu stellen, von der er nur erfรคhrt durch das, was, festlich gekleidet, heraustritt aus dem groรŸen Dunkel.

So ist meine Meinung und mein Gesetz. Und, wenn es mรถglich ist, lassen Sie bald wieder Mutiges und Gutes von sich hรถren.
โ€“ Ihren getreuen Rainer Maria Rilke


Brief 3: 29/04/1904ย  Rilke aan Friedrich Westhoff, broer van Clara, toen 10 jaar oud (*).

An Friedrich Westhoff

Rom, am 29. April 1904 / Mein lieber Friedrich, wir haben durch Mutter in dieser Zeit รถfters von dir gehรถrt, und, ohne Genaueres von dir zu wissen, fรผhlen wir doch, dass du eine schwere Zeit hast. Mutter wird dir nicht helfen kรถnnen, denn im Grunde kann keiner im Leben dem anderen helfen; das erfรคhrt man immer wieder in jedem Konflikt und jeder Verwirrung: dass man allein ist.

Das ist nicht so schlimm, wie es auf den ersten Blick scheinen mag; es ist auch wieder das Beste im Leben, dass jeder alles in sich selbst hat: sein Schicksal, seine Zukunft, seine ganze Weite und Welt. Nun gibt es freilich Momente, wo es schwer ist, in sich zu sein und innerhalb des eigenen Ichs auszuhalten; es geschieht, dass man gerade in den Augenblicken, da man fester und โ€“ fast mรผsste man sagen โ€“ eigensinniger denn je an sich festhalten sollte, sich an etwas ร„uรŸeres anschlieรŸt, wรคhrend wichtiger Ereignisse den eigenen Mittelpunkt aus sich heraus in Fremdes, in einen anderen Menschen verlegt. Das ist gegen die allereinfachsten Gesetze des Gleichgewichts, und es kann nur Schweres dabei herauskommen.

Clara und ich, lieber Friedrich, wir haben uns gerade darin gefunden und verstanden,

dass alle Gemeinsamkeit nur im Erstarken zweier benachbarter Einsamkeiten bestehen kann, dass aber alles, was man Hingabe zu nennen pflegt, seinem Wesen nach der Gemeinsamkeit schรคdlich ist: Denn wenn ein Mensch sich verlรคsst, so ist er nichts mehr, und wenn zwei Menschen beide sich selbst aufgeben, um zueinander zu treten, so ist kein Boden mehr unter ihnen und ihr Beisammensein ist ein fortwรคhrendes Fallen.

โ€“ Wir haben, mein lieber Friedrich, nicht ohne groรŸe Schmerzen, solches erfahren, haben erfahren, was jeder, der ein eigenes Leben will, so oder so zu wissen bekommt.

Ich werde einmal, wenn ich reifer und รคlter bin, vielleicht dazu kommen, ein Buch zu schreiben, ein Buch fรผr junge Menschen; nicht etwa, weil ich glaube, etwas besser gekonnt zu haben als andere. Im Gegenteil, weil mir alles so viel schwerer geworden ist als anderen jungen Menschen von Kindheit an wรคhrend meiner ganzen Jugend.

Da habe ich immer und immer wieder erfahren, dass es kaum etwas Schwereres gibt, als sich lieb haben. Dass das Arbeit ist, Tagelohn, Friedrich, Tagelohn; weiรŸ Gott, es gibt kein anderes Wort dafรผr. Sieh, und nun kommt noch dazu, dass die jungen Menschen auf so schweres Lieben nicht vorbereitet werden; denn die Konvention hat diese komplizierteste und รคuรŸerste Beziehung zu etwas Leichtem und Leichtsinnigem zu machen versucht, ihr den Schein gegeben, als kรถnnten sie alle. Dem ist nicht so. Liebe ist etwas Schweres, und sie ist schwerer denn anderes, weil bei anderen Konflikten die Natur selbst den Menschern anhรคlt, sich zu sammeln, sich ganz fest mit aller Kraft zusammenzufassen, wรคhrend in der Steigerung der Liebe der Anreiz liegt, sich ganz fortzugeben. Aber denke doch nur, kann das etwas Schรถnes sein, sich fortzugeben nicht als Ganzes und Geordnetes, sondern so dem Zufall nach, Stรผck fรผr Stรผck, wie es sich trifft? Kann solche Fortgabe, die einem Fortwerfen und ZerreiรŸen so รคhnlich sieht, etwas Gutes, kann sie Glรผck, Freude, Fortschritt sein? Nein, sie kann es nicht โ€ฆ Wenn du jemandem Blumen schenkst, so ordnest du sie vorher, nicht wahr? Aber junge Menschen, die sich lieb haben werfen sich einander hin in der Ungeduld und Hast ihrer Leidenschaft, und sie merken gar nicht, welcher Mangel an gegenseitiger Schรคtzung in dieser unaufgerรคumten Hingabe liegt, merken es erst mit Staunen und Unwillen an dem Zerwรผrfnis, das aus aller dieser Unordnung zwischen ihnen entsteht.

Und ist erst Uneinheit unter ihnen, dann wรคchst die Wirrnis mit jedem Tage; keiner von den beiden hat mehr etwas Unzerschlagenes, Reines und Unverdorbenes um sich, und mitten in der Trostlosigkeit eines Abbruchs suchen sie den Schein ihres Glรผckes [denn um des Glรผckes willen sollte all das doch sein] festzuhalten. Ach, sie vermรถgen sich kaum mehr zu entsinnen, was sie mit Glรผck meinten. In seiner Unsicherheit wird jeder immer ungerechter gegen den anderen; die einander wohltun wollten, berรผhren einer den anderen nun auf herrische und unduldsame Art, und im Bestreben, aus dem unhaltbaren und unertrรคglichen Zustand ihrer Wirrnis irgendwie herauszukommen, begehen sie den grรถรŸten Fehler, der an menschlichen Beziehungen geschehen kann: sie werden ungeduldig. Sie drรคngen sich zu einem Abschluss, zu einer, wie sie glauben, endgรผltigen Entscheidung zu kommen, sie versuchen ihr Verhรคltnis, dessen รผberraschende Verรคnderungen sie erschreckt haben, ein fรผr allemal festzustellen, damit es von nun ab โ€žewigโ€œ [wie sie sagen] dasselbe bleibe.

Das ist nur der letzte Irrtum in dieser langen Kette von aneinander festhaltenden Irrungen. Totes nicht einmal lรคsst sich endgรผltig festhalten [denn es zerfรคllt und verรคndert sich in seiner Art] wie viel weniger lรคsst sich Lebendes und Lebendiges ein fรผr alle Mal abschlieรŸend behandeln.

Leben ist ja gerade Sichverwandeln, und menschliche Beziehungen, die ein Lebensextrakt sind, sind das Verรคnderlichste von allem, steigen und fallen von Minute zu Minute, und Liebende sind diejenigen, in deren Beziehung und Berรผhrung kein Augenblick dem anderen gleicht.

Menschen, zwischen denen nie etwas Gewohntes, etwas schon einmal Dagewesenes vor sich geht, sondern lauter Neues, Unerwartetes, Unerhรถrtes.

Es gibt solche Verhรคltnisse, die ein sehr groรŸes, fast unertrรคgliches Glรผck sein mรผssen, aber sie kรถnnen nur zwischen sehr reichen Menschen eintreten und zwischen solchen, die jeder fรผr sich, reich, geordnet und versammelt sind, nur zwei weite, tiefe, eigene Welten kรถnnen sie verbinden.

โ€“ Junge Menschen โ€“ das liegt auf der Hand โ€“ kรถnnen ein solches Verhรคltnis nicht gewinnen, aber sie kรถnnen, wenn sie ihr Leben recht begreifen, langsam zu solchem Glรผck anwachsen und sich vorbereiten dafรผr. Sie mรผssen, wenn sie lieben, nicht vergessen, dass sie Anfรคnger sind, Stรผmper des Lebens, Lehrlinge in der Liebe, โ€“ mรผssen Liebe lernen, und dazu gehรถrt [wie zu jedem Lernen] Ruhe, Geduld und Sammlung!

Liebe ernst nehmen und leiden und wie eine Arbeit lernen, das ist es, Friedrich, was jungen Menschen nottut. โ€“ Die Leute haben, wie so vieles andere, auch die Stellung der Liebe im Leben missverstanden, sie haben sie zu Spiel und Vergnรผgen gemacht, weil sie meinten, dass Spiel und Vergnรผgen seliger denn Arbeit sei; es gibt aber nichts Glรผcklicheres als die Arbeit, und Liebe, gerade weil sie das รคuรŸerste Glรผck ist, kann nichts anderes als Arbeit sein. โ€“ Wer also liebt, der muss versuchen, sich zu benehmen, als ob er eine groรŸe Arbeit hรคtte: Er muss viel allein sein und in sich gehen und sich zusammenfassen und sich festhalten; er muss arbeiten; er muss etwas werden!

Denn, Friedrich, glaube mir, je mehr man ist, je reicher ist alles, was man erlebt. Und wer in seinem Leben eine tiefe Liebe haben will, der muss sparen und sammeln dafรผr und Honig zusammentragen.

Man muss nie verzweifeln, wenn einem etwas verloren geht, ein Mensch oder eine Freude oder ein Glรผck; es kommt alles noch herrlicher wieder. Was abfallen muss, fรคllt ab; was zu uns gehรถrt, bleibt uns, denn es geht alles nach Gesetzen vor sich, die grรถรŸer als unsere Einsicht sind und mit denen wir nur scheinbar im Widerspruch stehen. Man muss in sich selber leben und an das ganze Leben denken, an alle seine Millionen Mรถglichkeiten, Weiten und Zukรผnfte, denen gegenรผber es nichts Vergangenes und Verlorenes gibt. โ€“

Wir denken so viel an dich, lieber Friedrich; unsere รœberzeugung ist die: Dass du in der Wirrnis der Ereignisse lรคngst, aus dir heraus, den eigenen einsamen Ausweg gefunden hรคttest, der allein helfen kann, wenn nicht die ganze Last des Militรคrjahres noch auf dir lรคge โ€ฆ Ich erinnere mich, dass nach meiner eingesperrten Militรคrschulzeit mein Freiheitsdrang und mein entstelltes Selbstgefรผhl [das sich erst allmรคhlich von Bรผgen und Beulen, die man ihm beigebracht hatte, erholen musste] mich zu Verirrungen und Wรผnschen, die gar nicht zu meinem Leben gehรถren, treiben wollte, und es war mein Glรผck, dass meine Arbeit da war: In ihr fand ich mich und finde mich tรคglich in ihr und suche mich nirgends anders mehr. So tun wir beide; so ist Claras und mein Leben. Und du wirst auch dazu kommen, ganz gewiss. Sei guten Mutes, alles ist vor dir, und die Zeit, die mit Schwerem hingeht, ist nie verloren. Wir grรผรŸen dich, lieber Friedrich, von Herzen:

Rainer und Clara


Brief 4: 14/04/1904 Rilke aan Franz Xaver Kappus

De 10 brieven van Rilke aan Franz Xaver Kappus zijn bekend als “Briefe an einen jungen Dichter” en geschreven in de periode 1902-1908. De jonge Kappus (19 in 1902) vraagt raad aan Rilke ivm de keuze tussen het dichterschap of het volgen van een militaire loopbaan. Dit is de zevende brief, waarin Rilke ook het hem door Kappus toegestuurde sonnet bespreekt, overschrijft en mee insluit.

An Franz Xaver Kappus,

Rom, am 14. Mai 1904 /Mein lieber Herr Kappus, es ist viel Zeit hingegangen, seit ich Ihren letzten Brief empfangen habe. Tragen Sie mir das nicht nach; erst war es Arbeit, dann Stรถrung und endlich Krรคnklichkeit, was mich immer wieder von dieser Antwort abhielt, die [so wollte ich es] aus ruhigen und guten Tagen zu Ihnen kommen sollte. Nun fรผhle ich mich wieder etwas wohler [der Frรผhlingsanfang mit seinen bรถsen, launischen รœbergรคngen war auch hier arg zu fรผhlen] und komme dazu, Sie, lieber Herr Kappus, zu grรผรŸen und Ihnen [was ich so herzlich gerne tue] das und jenes auf Ihren Brief zu sagen, so gut ich es weiรŸ.

Sie sehen: Ich habe Ihr Sonett abgeschrieben, weil ich fand, dass es schรถn und einfach ist und in der Form geboren, in der es mit so stillem Anstand geht. Es sind die besten von den Versen, die ich von Ihnen lesen durfte. Und nun gebe ich Ihnen jene Abschrift, weil ich weiรŸ, dass es wichtig und voll neuer Erfahrung ist, eine eigene Arbeit in fremder Niederschrift wiederzufinden. Lesen Sie die Verse, als ob es fremde wรคren, und Sie werden im Innersten fรผhlen, wie sehr es die Ihrigen sind. โ€“ Es war eine Freude fรผr mich, dieses Sonett und Ihren Brief oft zu lesen; ich danke Ihnen fรผr beides.

Und Sie dรผrfen sich nicht beirren lassen in Ihrer Einsamkeit, dadurch, dass etwas in Ihnen ist, das sich herauswรผnscht aus ihr. Gerade dieser Wunsch wird Ihnen, wenn Sie ihn ruhig und รผberlegen und wie ein Werkzeug gebrauchen, Ihre Einsamkeit ausbreiten helfen รผber weites Land. Die Leute haben [mit Hilfe von Konventionen] alles nach dem Leichten hin gelรถst und nach des Leichten leichtester Seite; es ist aber klar, dass wir uns an das Schwere halten mรผssen; alles Lebendige hรคlt sich daran, alles in der Natur wรคchst und wehrt sich nach seiner Art und ist ein Eigenes aus sich heraus, versucht es um jeden Preis zu sein und gegen allen Widerstand. Wir wissen wenig, aber dass wir uns zu Schwerem halten mรผssen, ist eine Sicherheit, die uns nicht verlassen wird; es ist gut, einsam zu sein, denn Einsamkeit ist schwer; dass etwas schwer ist, muss uns ein Grund mehr sein, es zu tun.

Auch zu lieben ist gut: denn Lieben ist schwer. Liebhaben von Mensch zu Mensch:

das ist vielleicht das Schwerste, was uns aufgegeben ist, das ร„uรŸerste, die letzte Probe und Prรผfung, die Arbeit, fรผr die alle andere Arbeit nur Vorbereitung ist.

Darum kรถnnen junge Menschen, die Anfรคnger in allem sind, die Liebe noch nicht: Sie mรผssen sie lernen. Mit dem ganzen Wesen, mit allen Krรคften, versammelt um ihr einsames, banges, aufwรคrts schlagendes Herz, mรผssen sie lieben lernen. Lernzeit aber ist immer eine lange, abgeschlossene Zeit, und so ist Lieben fรผr lange hinaus und weit ins Leben hinein โ€“: Einsamkeit, gesteigertes und vertieftes Alleinsein fรผr den, der liebt. Lieben ist zunรคchst nichts, was aufgehen, hingeben und sich mit einem Zweiten vereinen heiรŸt [denn was wรคre eine Vereinigung von Ungeklรคrtem und Unfertigem, noch Ungeordnetem โ€“?], es ist ein erhabener Anlass fรผr den Einzelnen, zu reifen, in sich etwas zu werden, Welt zu werden, Welt zu werden fรผr sich um eines anderen willen, es ist ein groรŸer, unbescheidener Anspruch an ihn, etwas, was ihn auserwรคhlt und zu Weitem beruft. Nur in diesem Sinne, als Aufgabe, an sich zu arbeiten [โ€žzu horchen und zu hรคmmern Tag und Nachtโ€œ] dรผrften junge Menschen die Liebe, die ihnen gegeben wird, gebrauchen. Das Aufgehen und das Hingeben und alle Art der Gemeinsamkeit ist nicht fรผr sie [die noch lange, lange sparen und sammeln mรผssen], ist das Endliche, ist vielleicht das, wofรผr Menschenleben jetzt noch kaum ausreichen.

Darin aber irren die jungen Menschen so oft und so schwer: Dass sie [in deren Wesen es liegt, keine Geduld zu haben] sich einander hinwerfen, wenn die Liebe รผber sie kommt, sich ausstreuen, so wie sie sind in all ihrer Unaufgerรคumtheit, Unordnung, Wirrnis โ€ฆ: Was aber soll dann sein? Was soll das Leben an diesem Haufen von Halbzerschlagenem tun, den sie ihre Gemeinsamkeit heiรŸen und den sie gerne ihr Glรผck nennen mรถchten, ginge es an, und ihre Zukunft? Da verliert jeder sich um des anderen willen und verliert den anderen und viele andere, die noch kommen wollten. Und verliert die Weiten und Mรถglichkeiten, tauscht das Nahen und Fliehen leiser, ahnungsvoller Dinge gegen eine unfruchtbare Ratlosigkeit, aus der nichts mehr kommen kann; nichts als ein wenig Ekel, Enttรคuschung und Armut und die Rettung in eine der vielen Konventionen, die wie allgemeine Schutzhรผtten an diesem gefรคhrlichsten Wege in groรŸer Zahl angebracht sind. Kein Gebiet menschlichen Erlebens ist so mit Konventionen versehen wie dieses: Rettungsgรผrtel der verschiedensten Erfindung, Boote und Schwimmblasen sind da; Zuflรผchte in jeder Art hat die gesellschaftliche Auffassung zu schaffen gewusst, denn da sie geneigt war, das Liebesleben als ein Vergnรผgen zu nehmen, musste sie es auch leicht ausgestalten, billig, gefahrlos und sicher, wie รถffentliche Vergnรผgungen sind.

Zwar fรผhlen viele junge Menschen, die falsch, d. h. einfach hingebend und uneinsam lieben [der Durchschnitt wird ja immer dabei bleiben โ€“], das Drรผckende einer Verfehlung und wollen auch den Zustand, in den sie geraten sind, auf ihre eigene, persรถnliche Art lebensfรคhig und fruchtbar machen โ€“; denn ihre Natur sagt ihnen, dass die Fragen der Liebe, weniger noch als alles, was sonst wichtig ist, รถffentlich und nach dem und jenem รœbereinkommen gelรถst werden kรถnne; dass es Fragen sind, nahe Fragen von Mensch zu Mensch, die einer in jedem Falle neuen, besonderen, nur persรถnlichen Antwort bedรผrfen โ€“: aber wie sollten sie, die sich schon zusammengeworfen haben und sich nicht mehr abgrenzen und unterscheiden, die also nichts Eigenes mehr besitzen, einen Ausweg aus sich selbst heraus, aus der Tiefe der schon verschรผtteten Einsamkeit finden kรถnnen?

Sie handeln aus gemeinsamer Hilflosigkeit, und sie geraten, wenn sie dann, besten Willens, die Konvention, die ihnen auffรคllt [etwa die Ehe], vermeiden wollen, in die Fangarme einer weniger lauten, aber ebenso tรถdlichen konventionellen Lรถsung; denn da ist dann alles, weithin um sie โ€“ Konvention; da, wo aus einer frรผh zusammengeflossenen, trรผben Gemeinsamkeit gehandelt wird, ist jede Handlung konventionell: jedes Verhรคltnis, zu dem solche Verwirrung fรผhrt, hat seine Konvention, mag es auch noch so ungebrรคuchlich [d. h. im gewรถhnlichen Sinn unmoralisch] sein; ja, sogar Trennung wรคre da ein konventioneller Schritt, ein unpersรถnlicher Zufallsentschluss ohne Kraft und ohne Frucht.

Wer ernst hinsieht, findet, dass, wie fรผr den Tod, der schwer ist, auch fรผr die schwere Liebe noch keine Aufklรคrung, keine Lรถsung, weder Wink noch Weg erkannt worden ist; und es wird fรผr diese beiden Aufgaben, die wir verhรผllt tragen und weitergeben, ohne sie aufzutun, keine gemeinsame, in Vereinbarung beruhende Regel sich erforschen lassen. Aber in demselben MaรŸe, in dem wir beginnen, als Einzelne das Leben zu versuchen, werden diese groรŸen Dinge uns, den Einzelnen, in grรถรŸerer Nรคhe begegnen. Die Ansprรผche, welche die schwere Arbeit der Liebe an unsere Entwicklung stellt, sind รผberlebensgroรŸ, und wir sind ihnen, als Anfรคnger, nicht gewachsen. Wenn wir aber doch aushalten und diese Liebe auf uns nehmen als Last und Lehrzeit, statt uns zu verlieren an all das leichte und leichtsinnige Spiel, hinter dem die Menschen sich vor dem ernstesten Ernst ihres Daseins verborgen haben, โ€“ so wird ein kleiner Fortschritt und eine Erleichterung denen, die lange nach uns kommen, vielleicht fรผhlbar sein; das wรคre viel.

Wir kommen ja doch eben erst dazu, das Verhรคltnis eines einzelnen Menschen zu einem zweiten Einzelnen vorurteilslos und sachlich zu betrachten, und unsere Versuche, solche Beziehung zu leben, haben kein Vorbild vor sich. Und doch ist in dem Wandel der Zeit schon manches, das unserer zaghaften Anfรคngerschaft helfen will.

Das Mรคdchen und die Frau, in ihrer neuen, eigenen Entfaltung, werden nur vorรผbergehend Nachahmer mรคnnlicher Unart und Art und Wiederholer mรคnnlicher Berufe sein. Nach der Unsicherheit solcher รœbergรคnge wird sich zeigen, dass die Frauen durch die Fรผlle und den Wechseln jener [oft lรคcherlichen] Verkleidungen nur gegangen sind, um ihr eigenstes Wesen von den entstellenden Einflรผssen des anderen Geschlechtes zu reinigen. Die Frauen, in denen unmittelbarer, fruchtbarer und vertrauensvoller das Leben verweilt und wohnt, mรผssen ja im Grunde reifere Menschen geworden sein, menschlichere Menschen als der leichte, durch die Schwere keiner leiblichen Frucht unter die Oberflรคche des Lebens herabgezogene Mann, der, dรผnkelhaft und hastig, unterschรคtzt, was er zu lieben meint. Dieses in Schmerzen und Erniedrigungen ausgetragene Menschentum der Frau wird dann, wenn sie die Konventionen der Nur-Weiblichkeit in den Verwandlungen ihres รคuรŸeren Standes abgestreift haben wird, zutage treten, und die Mรคnner, die es heute noch nicht kommen fรผhlen, werden davon รผberrascht und geschlagen werden. Eines Tages [wofรผr jetzt, zumal in den nordischen Lรคndern, schon zuverlรคssige Zeichen sprechen und leuchten], eines Tages wird das Mรคdchen da sein und die Frau, deren Name nicht mehr nur einen Gegensatz zum Mรคnnlichen bedeuten wird, sondern etwas fรผr sich, etwas, wobei man an keine Ergรคnzung und Grenze denkt, nur an Leben und Dasein: der weibliche Mensch.

Dieser Fortschritt wird das Liebe-Erleben, das jetzt voll Irrung ist [sehr gegen den Willen der รผberholten Mรคnner zunรคchst], verwandeln, von Grund aus verรคndern, zu einer Beziehung umbilden, die von Mensch zu Mensch gemeint ist, nicht mehr von Mann zu Weib. Und diese menschlichere Liebe [die unendlich rรผcksichtsvoll und leise, und gut und klar in Binden und Lรถsen sich vollziehen wird] wird jener รคhneln, die wir ringend und mรผhsam vorbereiten, der Liebe, die darin besteht, dass zwei Einsamkeiten einander schรผtzen, grenzen und grรผรŸen.

Und das noch: Glauben Sie nicht, dass jene groรŸe Liebe, welche Ihnen, dem Knaben, einst auferlegt worden ist, verloren war; kรถnnen Sie sagen, ob damals nicht groรŸe und gute Wรผnsche in Ihnen gereift sind und Vorsรคtze, von denen Sie heute noch leben? Ich glaube, dass jene Liebe so stark und mรคchtig in Ihrer Erinnerung bleibt, weil sie Ihr erstes tiefes Alleinsein war und die erste innere Arbeit, die Sie an Ihrem Leben getan haben. โ€“ Alle guten Wรผnsche fรผr Sie, lieber Herr Kappus!

Ihr:
Rainer Maria Rilke

(toegevoegd: het sonnet van Kappus, overgeschreven door Rilke:

Sonett

Durch mein Leben zittert ohne Klage,
ohne Seufzer ein tiefdunkles Weh.
Meiner Trรคume reiner Blรผtenschnee
Ist die Weihe meiner stillsten Tage.

ร–fter aber kreuzt die groรŸe Frage
Meinen Pfad. Ich werde klein und geh
Kalt vorรผber wie an einem See,
dessen Flut ich nicht zu messen wage.

Und dann sinkt ein Leid auf mich, so trรผbe
Wie das Grau glanzarmer Sommernรคchte,
die ein Stern durchflimmert dann und wann -:

Meine Hรคnde tasten dann nach Liebe,
weil ich gerne Laute beten mรถchte,
die mein heiรŸer Mund nicht finden kann…

(Franz Xaver Kappus)

 


+ Bronnen:
Brief 1: “Rainerย Mariaย Rilke,ย Briefeย ausย denย Jahreย 1892-1904, Verona, 2016, Nachdruck des Originals, 1939, via books.google.be;
Brief 2, 3 en 4: via http://www.marschler.at/worte-rilke-briefe.htm .

+ (*) Lang gezocht naar deze “Friedrich Westhoff”. In verwijzing naar deze brief wordt hij in een voetnoot “broer van Clara” genoemd in “Letters of Rainer Maria Rilke“, Greene, Norton, 1945, note 62. Deze Friedrich werd geboren in 1894, wat zou betekenen dat hij bij ontvangst van deze brief (1904) 10 jaar oud was. Dit kan nagegaan worden in de stamboom van Clara Westhoff, die je hier vindt. Daaruit blijkt ook dat Clara geboren werd uit het tweede huwelijk van haar vader, en dat zij nog twee stiefbroers en รฉรฉn stiefzus had.
Ook aan Helmuth, een andere broer van Clara, schrijft Rilke een brief in november 1901, deze was toen eveneens slechts 10 jaar.
Uit de inhoud van deze brief blijkt dat Rilke de jonge Friedrich op erg volwassen wijze toespreekt en hem wegwijs probeert te maken in het “liefhebben: “Sie mรผssen, wenn sie lieben, nicht vergessen, dass sie Anfรคnger sind, Stรผmper des Lebens, Lehrlinge in der Liebe, โ€“ mรผssen Liebe lernen, und dazu gehรถrt [wie zu jedem Lernen] Ruhe, Geduld und Sammlung!”.

+ Rilke was een veelschrijver: ” Von Rilkes Briefen sind bis heute ungefรคhr 7000 verรถffentlicht worden. Diese Zahl zeigt schon, daรŸ sie mehr sind, als nur eine aufschluรŸreiche Quelle fรผr Biographen. Tatsรคchlich kann man sie als eigenstรคndigen Teil seines literarischen Werkes sehen, dem sie an Ausdruckskraft und Schรถnheit nicht nachstehen. Der Dichter geht feinfรผhlig auf seine Briefpartner ein, nutzt die Korrespondenzen aber auch zur Selbstreflexion.” (in “Rilke, Briefe/Index“)